Sep 05 2007
Zapping, dann Hirntod – oder umgekehrt?
Jetzt! Jetzt! Jetzt! hörte ich den hyperaktiven Quizmoderator schreien, der mich aus meinem Halbschlaf riss. Entweder hatte sich mein Zeigefinger verselbstständigt oder es waren diese merkwürdigen Zuckungen, welche einem kurz vor dem Einschlafen durchfahren. Heute Nacht, krähte der halbe Hahn aus meinem neuen MIRAI LCD TV heraus, heute Nacht gewinnst du über 8000 Euro!
Ich nahm mir die Zeit und glotzte ein hirnloses Weilchen dem Verlauf dieses Ratespiels zu. Es wurde ein Tier gesucht, dessen Name man in eine bestehende Buchstabenreihe einsetzen musste. Daraus ergab sich das 8000 Euro schwere Lösungswort. Etliche Anrufer wurden aus der Leitung gekickt und mit einem theatralischen Hallo, ist da wer - klack entschuldigt. Beiläufig drehte ich mir eine Zigarette. Noch bevor ich die Klebstelle befeuchtete, hatte ich das Tier mit nur gerade drei Buchstaben entlarvt und in die gegebene Buchstabenreihe eingefügt. Emu, Gemütlich. Zapp.
Auf dem nächsten Sender war die selbe Kacke zu sehen, zapp. Auf Kanal 27 machte man Werbung für Analstuten ab 18, eine alte Omi rollte sich auf einem Teppichvorleger und stöhnte dabei so laut, das ich die Lautstärke aus Scham vor den Nachbarn senken musste, zapp! Trotzdem drückte ich mich noch eine trottelige Weile in den Programmen herum und begegnete der schwangeren Susanne Wille von 10vor10, traf auf zwei, nein, drei dunkelhaarige Frauen in Ledermänteln die ihre Brüste aneinander rieben, sah Werbesendungen über Trainingsgeräte, feuchte Hausfrauen, einen schwarz-weiss Film über den zweiten Weltkrieg, Moderatorinnen im Bikini und wurde Zeuge, wie Peter Braunschweig aus Erfurth den Emu heraus fand und das Lösungswort in die Sprachmuschel stotterte. Bravo Peter! Peter, was machst du nun mit diesen 8000 Euro? Na was wohl, Peter investiert das Geld in ein neues Auto. Wie ideenreich gewisse Menschen doch sind. Den endgültigen Hammerschlag auf meine weich gewordene Hirnmasse verpasste mir der allzeit gut gelaunte Sven Epiney. Dieser liess sich gerade die Funktion eines Fischentschuppers vorführen.
Dann brachte ich es doch noch zu stande. Mein rechter Zeigefinger berührte die rote Taste, alles ging ganz schnell. Ein kurzes Zischen, ein leises Trappeln wie von tausend Stecknadeln, fertig, aus.
Draussen hörte ich den Regen auf die herbstlich gestimmte Natur niederprasseln. Was da wohl schrie? Vielleicht eine feuchte Analstute die sich im Wald verirrt hatte? Egal. Ich trank noch meine abgstandene Tasse Tee aus und versuchte mir vorzustellen wie es wohl aussehen würde, wenn ein Emu in Peters neuem Wagen Svens Fisch zu entschuppten versucht. Danach fand ich endlich den Weg ins Bett oder anders gesagt, ich trat vom Standby Modus ins Off über.

September 6th, 2007 at 22:20
Sehr schöner Text! Wie wahr. Mann sollte nach 00 Uhr einfach nicht TV gukken… =)
March 13th, 2008 at 15:09
Hallo Dämu,
Echt guter Text! Musste nach dem Lesen noch ein paar mal an deine Analstute denken
Gruss,
Serge