Jan 19 2008
Der Übertritt
Vor kurzem trat ich in ein neues Lebensjahr über. Die Astrotanten hatten mir sechs Tage zuvor ein erfolgreiches Jahr mit innovativ verlaufenden Energiebahnen vorausgesagt. Jupiter soll es anscheinend sein, der mich in seinem Kräftefeld durchs kommende Jahr quasi mitzentrifugiert. Besinnen müsse ich mich nur auf die stopp-and-go Situationen, welche meinem persönlichen Entwicklungsweg eine ganz bestimmte Note verleihe. Aha, mal schauen.
Aber dem lieben Jupiter hätte beinahe ein Audi in Punkto Mitreisen den Platz streitig gemacht. Nachdem ich den Händen meiner ayurvedischen Masseurin entschwebt war, wollte ich, natürlich regelkonform, die Wartstrasse überqueren. Stehen bleiben, Blick nach links, nach rechts. Links frei, rechts Auto. Ich sah oder treffender gesagt, ich spürte den hässlichen Audi bereits von weitem. Eine derart unmenschlich hässliche Farbe habe ich das letzte Mal in Marokko gesehen, als ich eine Magen-Darmverstimmung durchlitt. Item. Trotz des Vortrittsrechts blieb ich kurz stehen, trat dann erst auf den nahesten gelben Streifen drauf. Der Lenker des Audis tat sinngemäß dasselbe wie ich. Er trat drauf, aber aufs Gaspedal. Ich hatte riesiges Schwein, der Audifahrer höchstwahrscheinlich ein riesiges Schweinehirn. Einige Menschen hören in solchen Momenten Engelsharfen, mir kamen die Worte der Masseurin in den Sinn: «Heute bist du aber sehr durchlässig. Irgendwie unscheinbar.» Wie jetzt?
Ich beschloss an der nächsten Ecke einzukehren um wieder etwas an körperlicher Substanz zurück zu gewinnen. Kebab mit scharf und allem. Wieder einigermaßen sichtbar radelte ich auf meinem Fahrrad nach Hause. Kaum in Fahrt gekommen, musste ich bereits bremsen, stark bremsen. Und da war er wieder, dieser hässliche Audi, mitten auf dem Radweg parkiert. Das Schweingehirn besorgte sich wohl gerade eine Dose Futter. Langsam zirkelte ich um das grässliche Ding. Auf der Fahrerseite war die Scheibe herunter gekurbelt, da passierte es. Eine Wolke des am Rückspiegel baumelnden Duftbäumchen stieg mir in die Nasse und, echt fies, dass war einfach zuviel. Meine gesammelte Substanz verlor sich in der Außenwelt. Mag heißen, eine Fontäne aus zerkautem Kebab mit scharf und allem prasselte auf den Fahrersitz nieder. Ich kotze aus Leibeskräften, fühlte mich aber erstaunlicherweise echt toll. Danach wischte ich mir den Mund trocken und sah zu, wie einige Spritzer der Kotze in die Ritzen der Belüftungsschieber rannen. Plötzlich hörte ich ein lautes Grunzen. «He du, wa machsch da a mim Audi Mann!»
Mir blieb nur noch eins. Ich richtete meinen Blick zum Himmel empor und schrie: «Oh Jupiter, zeig was du kannst, los!» Ich brach wohl all meine bisherigen Streckenrekorde und kam sicher zu Hause an. Nun habe ich eine vage Vorstellung davon, was mit diesen stopp-and-go Situationen und dem anderen Astrozeugs gemeint ist.
